Pinch-Analyse · Wärmeintegration · Energie-TargetingPinch-Analyse: das thermodynamische Optimum Ihrer Anlage kennen.

Die Pinch-Analyse zeigt, wie viel Heiz- und Kühlenergie ein Prozess mindestens braucht – und welche Änderungen am Wärmeübertragernetzwerk, an den Utilities und am Prozess dorthin führen. Typisch sind 10–30 % weniger Prozesswärme in gewachsenen Bestandsanlagen.

Grundlagen

Was ist eine Pinch-Analyse?

Die Pinch-Analyse – auch Pinch-Methode oder Pinch-Technologie – wurde Anfang der 1980er Jahre von Bodo Linnhoff entwickelt. Sie betrachtet nicht einzelne Apparate, sondern alle heißen Ströme (die gekühlt werden müssen) und alle kalten Ströme (die beheizt werden müssen) eines Prozesses gemeinsam.

Aus Temperaturen und Wärmekapazitätsströmen entstehen zwei Composite Curves: die heiße und die kalte Verbundkurve im Temperatur-Wärmestrom-Diagramm. Schiebt man sie so weit zusammen, bis an einer Stelle nur noch die Mindest-Temperaturdifferenz ΔTmin bleibt, ergeben sich drei Kennzahlen:

  • QH,min – der minimal notwendige externe Heizbedarf (Dampf, Thermalöl, Gas),
  • QC,min – der minimal notwendige Kühlbedarf (Kühlwasser, Kälte),
  • der Pinch – die Engstelle, die den Prozess in einen Wärme-Verbraucher (oberhalb) und einen Wärme-Lieferanten (unterhalb) teilt.

Der Vergleich dieser Zielwerte mit dem heutigen Verbrauch zeigt das Einsparpotenzial – bevor investiert wird.

Interaktives Beispiel auf der Startseite ausprobieren →
Regel 01

Keine Wärme über den Pinch

Jede kW, die vom heißen über den Pinch auf die kalte Seite übertragen wird, muss doppelt bezahlt werden: als Heizung und als Kühlung.

Regel 02

Keine Kühlung oberhalb

Oberhalb des Pinch ist der Prozess ein Wärmeverbraucher. Kühlwasser an dieser Stelle vernichtet nutzbare Wärme.

Regel 03

Keine Heizung unterhalb

Unterhalb des Pinch gibt der Prozess Wärme ab. Dampf an dieser Stelle ersetzt nur Abwärme, die ohnehin da ist.

Grand Composite Curve eines Beispielprozesses mit Pinch, minimalem Heiz- und Kühlbedarf und Wärmepumpe über den Pinch T* Wärmestrom Ḣ Q_H,min Q_C,min Pinch Wärmepumpe
Grand Composite Curve (schematisch): Sie zeigt, auf welchem Temperaturniveau Wärme zu- oder abgeführt werden muss – und wo eine Wärmepumpe sinnvoll Wärme von unterhalb nach oberhalb des Pinch hebt.
Utilities & Wärmepumpen

Grand Composite Curve: das richtige Temperaturniveau wählen.

Die Grand Composite Curve fasst den Wärmebedarf des Prozesses nach Temperaturniveau zusammen. Sie beantwortet Fragen, die für Energiekosten und Dekarbonisierung entscheidend sind:

  • Reicht Niederdruckdampf oder Heißwasser, wo heute Hochdruckdampf eingesetzt wird?
  • Wo kann Abwärme für andere Anlagen oder ein Wärmenetz ausgekoppelt werden?
  • Wo lohnt sich eine Industrie-Wärmepumpe – und wie groß muss sie sein?

Eine Wärmepumpe spart nur dann Energie, wenn sie Wärme von unterhalb nach oberhalb des Pinch hebt. Falsch platzierte Wärmepumpen verschieben lediglich Wärme innerhalb einer Seite – mit Stromkosten, aber ohne Nutzen. Genau das verhindert die Pinch-Analyse.

Mehr zu Wärmepumpen und Dekarbonisierung →
Datenbedarf

Welche Daten braucht eine Pinch-Analyse?

Die Datenbasis entscheidet über die Qualität des Ergebnisses. Wir unterstützen bei Erfassung, Bilanzierung und Plausibilisierung – vieles liegt in Ihren Unterlagen bereits vor.

DatenInhaltTypische Quelle
StromdatenEin- und Austrittstemperaturen, Massenströme, Wärmekapazitäten bzw. Enthalpieverläufe, PhasenwechselVerfahrensfließbilder, Wärme- und Massenbilanzen, Prozesssimulation
BetriebsdatenReale Temperaturen, Durchflüsse und Verbräuche in typischen LastfällenProzessleitsystem, Historian, Messkampagnen
UtilitiesDampfstufen, Thermalöl, Kühlwasser, Kälte – Temperaturen, Mengen und KostenEnergieversorgung, Energiecontrolling
WärmeübertragerBestehende Apparate mit Fläche, Verschaltung und LeistungDatenblätter, Apparateliste, R&I-Fließbilder
RandbedingungenSicherheit, Produktqualität, Fouling, Platz, Anfahr- und TeillastbetriebGespräche mit Betrieb und Verfahrenstechnik
Ablauf

So läuft eine Pinch-Analyse bei uns ab.

Am Ende stehen keine theoretischen Potenziale, sondern priorisierte Maßnahmen mit Investition, Einsparung und Zeitplan.

  1. SCHRITT 01

    Daten & Bilanzen

    Abgrenzung des Untersuchungsrahmens, Erfassung der Ströme, Energie- und Massenbilanzen, Abgleich mit realen Verbräuchen.

  2. SCHRITT 02

    Targeting

    Composite und Grand Composite Curves, Zielwerte für Heiz- und Kühlbedarf, Identifikation von Pinch-Verletzungen im Bestand.

  3. SCHRITT 03

    Maßnahmen

    Retrofit des Wärmeübertragernetzwerks, Utility-Anpassungen, Wärmepumpen, Prozessmodifikationen – technisch und wirtschaftlich bewertet.

  4. SCHRITT 04

    Fahrplan & Förderung

    Priorisierung nach Wirtschaftlichkeit, Umsetzungsplan, Abstimmung mit Ihren Experten und Prüfung von Fördermitteln.

Ergebnisse

Was eine Pinch-Analyse in der Praxis bringt.

~20 %der Energiekosten einer Polypropylen-Produktion
Pinch-Analyse · Polypropylen

Roadmap mit Amortisation unter einem Jahr

Detaillierte Pinch-Analyse, gemeinsam mit dem Kunden priorisierte Projekte und unmittelbar messbarer Erfolg.

> 30 %Einsparpotenzial, Amortisation 2–3 Jahre
Pinch-Analyse · Kautschuk

Mehrere großtechnische Kautschukanlagen

Wärmestromanalyse über mehrere Anlagen; die erarbeiteten Maßnahmen wurden umgesetzt.

1,5 Mio €Fördermittel aus mehreren Programmen
Förderung · Polykarbonat

Maßnahmen gefördert umsetzen

Vom Förder-Check bis zum Antrag für mehrere energetische Vorhaben.

Weitere Projekte finden Sie in unseren Referenzen.

Häufige Fragen

Fragen zur Pinch-Analyse.

Was Betreiber von Prozessanlagen vor einer Pinch-Analyse am häufigsten wissen möchten.

Muss die Anlage für eine Pinch-Analyse abgeschaltet werden?

Nein. Die Analyse arbeitet mit Auslegungs- und Betriebsdaten aus Prozessleitsystem, Messungen und Verfahrensunterlagen. Vor Ort sind in der Regel nur Begehungen und Gespräche mit Ihren Betriebs- und Verfahrensingenieuren nötig.

Was bedeutet ΔTmin und wie wird es festgelegt?

ΔTmin ist die kleinste Temperaturdifferenz, die in einem Wärmeübertrager zwischen heißem und kaltem Strom zugelassen wird. Ein kleines ΔTmin erhöht die Wärmerückgewinnung, erfordert aber mehr Übertragerfläche. Wir wählen ΔTmin so, dass Energie- und Investitionskosten zusammen minimal werden – abhängig von Medien, Temperaturniveau und Übertragerbauart.

Funktioniert die Pinch-Analyse auch für Batch-Prozesse?

Ja. Für diskontinuierliche Prozesse wird die zeitliche Abfolge der Ströme berücksichtigt, etwa über Zeitscheiben oder die Betrachtung von Wärmespeichern. So lässt sich auch dort Wärme zwischen Prozessschritten verschieben, die nicht gleichzeitig laufen.

Lohnt sich eine Pinch-Analyse auch für kleinere Anlagen?

Entscheidend ist weniger die Größe als die Zahl der Wärmeströme und der Energieeinsatz. Sobald an mehreren Stellen gleichzeitig geheizt und gekühlt wird, gibt es meist Potenzial. Im kostenlosen Erstgespräch schätzen wir ein, ob sich der Aufwand für Ihre Anlage lohnt.

Wie lange dauert eine Pinch-Analyse?

Das hängt vor allem von der Anlagengröße und davon ab, wie gut die Prozessdaten bereits verfügbar sind. Die Datenerfassung ist erfahrungsgemäß der größte Teil des Aufwands. Nach dem Erstgespräch erhalten Sie einen konkreten Vorschlag zu Umfang, Datenbedarf und Zeitplan.

Kontakt

Wie viel Wärme verschenkt Ihre Anlage?

In einem kostenlosen Erstgespräch schätzen wir ein, ob und wie viel eine Pinch-Analyse für Ihre Anlage bringt.